„Was ist Ihr Gehaltswunsch?“ Die Frage bereitet so manchem Bewerber Bauchschmerzen. Prof. Dr. Rudolf Irmscher, Geschäftsführer der Stadtwerke und Honorarprofessor an der SRH Hochschule Heidelberg gibt wertvolle Tipps für die Berufsstarter.

Hin und wieder werden Bewerber in einer Stellenausschreibung gebeten, ihren Gehaltswunsch anzugeben. Als Arbeitgeber erleben wir da überraschende Dinge. Ein Interessent schrieb zum Beispiel: „Mit einem Gehalt von 7.800 Euro monatlich würde ich mich schon zufriedengeben.“ Demgegenüber wollte ein anderer Bewerber es wohl vermeiden, konkrete Zahlen zu nennen. Deshalb gab er dem Personalleiter die Aufgabe mit auf den Weg, sich das gewünschte Gehalt selber auszurechnen: „Meine Gehaltsvorstellung liegt in der Größenordnung der Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung.“

Zugegeben, das Thema ist nicht trivial. Während die Angabe eines gewünschten Gehalts für den Arbeitgeber ein erstes wichtiges Auswahlkriterium darstellt, ist sie für den Bewerber mit einem gewissen Risiko verbunden. Gibt er ein zu niedriges Gehalt an, läuft er Gefahr, sich für die Position unter Wert zu verkaufen. Gibt er ein zu hohes Gehalt an, nimmt ihn der Personalleiter möglicherweise aus dem Verfahren.

Wer bereits im Beruf steht und sich aus einer ungekündigten Position heraus bewirbt, hat es leichter. Er kann einfach das aktuelle Gehalt nennen: „Mein derzeitiges Jahresgehalt liegt bei … Euro.“ Wird er dann zum Vorstellungsgespräch eingeladen und tritt dort überzeugend auf, ist ein Aufschlag von zehn bis maximal 20 Prozent auf das bisherige Gehalt angemessen und lässt sich meistens auch durchsetzen.

Wenn Sie als Berufseinsteiger nach Ihren Gehaltsvorstellungen gefragt werden, fehlt dieser Orientierungspunkt. Die Grundregel lautet hier: Lassen Sie sich nicht von Ihrem persönlichen Wunschgehalt leiten, sondern nennen Sie einen branchenüblichen Betrag. Das setzt eine kleine Recherche im Vorfeld voraus: Wo liegen in dieser Branche für meinen Abschluss derzeit die Einstiegsgehälter?

Bei all diesen Überlegungen: Der Gegenwert, den ein Unternehmen bietet, besteht nicht allein aus dem Gehalt. Kultur, Sinnstiftung der Aufgabe, Gestaltungsspielraum, Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung, Fortbildungsangebote, Kinderbetreuung, Familienfreundlichkeit, flexible Arbeitszeiten – das alles sind Komponenten, die zusammen mit dem Gehalt ein Gesamtpaket bilden.

Wie sehr diese „außergehaltlichen Komponenten“ tatsächlich einen Wert darstellen, erfahren wir bei den Stadtwerken Heidelberg immer wieder. So hat eine Mitarbeiterin im Vertrieb kürzlich ein finanziell lukrativeres Angebot eines Wettbewerbers ausgeschlagen, weil sie bei uns bleiben wollte. Umgekehrt gibt es Bewerber, die unser Unternehmen so attraktiv finden, dass sie von einer besser bezahlten Stelle zu uns kommen

Solche Beispiele zeigen: Das Thema Gehalt lässt sich nicht trennen von der Frage, in welchem Unternehmen Sie arbeiten möchten. Was zählt, ist das Gesamtpaket.