Im Oktober übernimmt das Land Baden-Württemberg wieder im Rahmen eines Stipendiums die Studiengebühren für Physiotherapie-Studierende der SRH Hochschule Heidelberg, die sich besonders engagieren oder besondere persönliche Umstände vorweisen. Julia Weingärtner ist eine der aktuellen Stipendiaten, die über „einen der schönsten Berufe der Welt“ berichtet.

Häufig erkennt sie am Gang eines Menschen, ob er Schmerzen hat und in welchem Gelenk sich diese vermutlich befinden – Julia Weingärtner hat gerade an der SRH Hochschule Heidelberg ihren Bachelor-Abschluss in Physiotherapie gemacht. „Es ist toll, gleich etwas über sein Gegenüber zu wissen. Im Studium habe ich viel Menschenkenntnis gewonnen, aber auch Wissen über mich selbst. Man hat mit so vielen verschiedenen Charakteren zu tun“, erzählt die 25-Jährige, deren Studium durch ein Stipendium des Landes Baden-Württemberg finanziert wurde. Auch für das neue Semester, das im Oktober startet, stehen wieder 15 Stipendien zur Verfügung.

Aufgewachsen in Iffezheim, hat Julia Weingärtner nach ihrem Abitur zunächst eine Ausbildung zur Außenhandelskauffrau gemacht. „Dieser Beruf hat mir nichts zurückgegeben“, berichtet Julia Weingärtner heute. Sie wollte selber denken, selbstständig arbeiten und Menschen helfen – und so entschied sie sich noch zu studieren. Der Studiengang lag nahe: Ihre Eltern haben eine Physiotherapie-Praxis.

Bereits während ihrer Ausbildung hatte sie als Reitlehrerin gearbeitet. Dort lernte sie schließlich einen blinden Jungen kennen. Sie half bei der Ausbildung des Kindes und des Ponys, erfolgreich, wie sie erzählt: „Es hat uns dreien sehr viel Spaß gemacht, und wir erreichten auf Handicap-Turnieren die vorderen Plätze.“ Diese Tätigkeit war die Initialzündung für das Stipendium des Landes Baden-Württemberg. Mit diesem Stipendium werden Physiotherapie-Studierende gefördert, die sehr gute Leistungen erbracht haben, einen besonderen Lebenslauf vorweisen, sich außerschulisch oder -fachlich engagieren oder besondere persönliche und familiäre Umstände vorweisen. Im Falle von Julia Weingärtner verfasste der Blindenverein ein Empfehlungsschreiben.

Die Studieninhalte haben sie begeistert: „Motorisches Lernen ist sehr spannend – also wie unser Gehirn Bewegungen erlernt, wie es dieses Wissen erneuert und wie wir Therapeuten dieses Lernen am besten unterstützen können. Innere Medizin, Pathologie, Psychologie: Das war keine graue Theorie, sondern sehr viel Praxis und Selbsterfahrung. Die Praxis stand immer im Bezug zu den theoretischen Themen.“ Fünf Praktika haben die Studierenden während ihres Studiums absolviert.

Nun hat Julia Weingärtner ihr Studium erfolgreich abgeschlossen und wird zunächst bei ihren Eltern in der Praxis einsteigen, aber auch Reisen unternehmen und eine Weiterbildung zur Hippotherapeutin machen, um damit ihrer Leidenschaft, dem Reiten, treu zu bleiben. Die Welt steht ihr offen, denn ihr Studienabschluss ist auch international anerkannt. „Die Physiotherapie ist ein wunderschönes Berufsfeld. Man sieht, dass man etwas bewirken kann. Der Beruf lehrt mich jeden Tag zu schätzen, dass Gesundheit keine Selbstverständlichkeit ist. Der Gesellschaft ist überhaupt nicht klar, was für ein wichtiger und anspruchsvoller Beruf die Physiotherapie ist. Physiotherapeuten sind eben nicht nur Masseure!“

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