Dr. Harald Pfeiffer bietet jeden ersten und dritten Sonntag im Monat einen Themengottesdienst im Foyer der SRH Hochschule Heidelberg an – voller Leidenschaft und voller Musik. Im Interview wirft er einen sehr tiefsinnigen Blick auf die Bedeutung der Religion.

Herr Dr. Pfeiffer, Sie setzen sich seit zwölf Jahren ehrenamtlich als Pfarrer an der SRH Hochschule Heidelberg ein und sind noch viel länger als Seelsorger mit der Hochschule verbunden. Was bedeutet die Religion eigentlich heute? Brauchen wir sie noch?

Viele Menschen brauchen sie – weil sie sich nicht alle Fragen beantworten können. Der Mensch sucht etwas, das über seinen Verstand hinausgeht und wünscht sich eine übergeordnete Instanz, die das bewirken kann, was wir nicht können. Dabei müssen wir zwischen Religion und Glaube unterscheiden. Ein Beispiel: Wenn Sie in einem Flugzeug sitzen und es kommen richtig heftige Turbulenzen, dann fangen viele Menschen an zu beten. Diese Menschen sind in irgendeiner Form gläubig, aber nicht religiös, sie zählen sich nicht zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft. Und die Religionsgemeinschaft sucht man sich selten selbst aus, sondern man übernimmt sie aus dem Elternhaus, aus einem bestimmten Kulturkreis. Glaube dagegen ist individuell.

Könnte die Welt denn ohne Glauben funktionieren?

Auf diese Frage gibt es zwei Antworten: Die Welt könnte ohne Glauben nicht funktionieren, weil die eigentliche Währung des Religiösen das Vertrauen ist, Vertrauen schenkt Geborgenheit – und genau diese möchte ich in unseren Gottesdiensten auch vermitteln. Andererseits braucht jeder Mensch auch den Glauben, um dem Leben einen Sinn zu geben.

So suchen viele Menschen nach etwas Höherem, spüren ein „Über-Ich“, wie es Wolfgang Joop mal ausdrückte – ein Über-Ich, das ihre Geschicke leitet, ihnen Lebenssinn gibt. Es scheint eine tiefe gesellschaftliche Sehnsucht zu wachsen nach Orientierung, nach Werten. Diese Werte vermitteln bereits die zehn Gebote: Nur zehn Sätze, und alles ist gesagt über den Umgang mit Umwelt und Eigenturm, Geld und Sexualität, mit dem Leben und dem Partner, mit der Wahrheit. Der Mensch sehnt sich nach diesem Aufgehobensein.

Welche Erfahrungen haben Sie als Seelsorger an unserer Hochschule bislang gemacht?

Eigentlich bin ich für alle da: Wenn Einbrüche kommen, wie etwa gesundheitliche Defizite, Depressionen, nicht bestandene Prüfungen, wenn eine Partnerschaft auseinandergeht, wenn man sich über den Berufsweg unsicher ist oder einfach glaubt, in einer Sackgasse zu sein. Dann hilft der Glaube, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen!

Ihre Gottesdienste sind sehr musikalisch ausgerichtet. Wer kommt denn in der Regel?

Wir haben immer 80 bis 120 Gäste aus der ganzen Region. Es gibt beispielsweise zwei Weinheimerinnen, die immer eine Art Wallfahrt zu uns unternehmen: mit der Bahn zu uns und dann zum Essen nach Heidelberg. Aber auch Wieblinger, Campus-Bewohner, Gesunde und Kranke besuchen uns, das Publikum ist sehr gemischt. Musik regt ja auch die Empfindungen an und ist allgemeinverständlich – so sind unsere Gottesdienste für viele sehr heilsam. Wir würden uns auch freuen, wenn uns mehr Studierende oder Dozenten der SRH Hochschule besuchen und sind offen für ihre aktive Beteiligung! Es ist immer spannend, unsere Themen aus verschiedenen Perspektiven und interdisziplinär zu beleuchten. In unseren Gottesdiensten finden die Besucher etwas, das sie sonst nicht bekommen: ein Gefühl von Aufgehobensein und Orientierung.

Terminhinweis:

Die Gottesdienste finden an jedem 1. und 3. Sonntag um 11 Uhr in der Ludwig-Guttmann-Straße 6 an der SRH Hochschule Heidelberg statt – immer mit qualitativ hochwertiger musikalischer Begleitung. An Heiligabend spielt Ansgar Deutschel zur musikalischen Christvesper um 16 Uhr Harfe, Peter Schumann Klavier, Thema: „Die Krippe: Göttliche Ladestation für Frieden und Hoffnung“.