Gerade jetzt zur Corona-Zeit sind beinahe alle Bildungsinstitute gezwungen, auf Online-Plattformen umzusteigen. Oft kommt hierbei auch schon der Begriff Blended Learning auf – doch was ist das überhaupt? Und wie sieht die Entwicklung eines solchen Konzeptes an der SRH Hochschule Heidelberg aus? Wir-Online-Redakteurin Madeleine Ch. Krehahn klärt auf.

Blended Learning – kurz&knackig

Vorab: Die Vorlesung einfach mal ins Netz zu legen, mal präsent zu halten, ist noch lange nicht hybrid und schon gar nicht Blended Learning. Die Idee hinter des Begriffs bedeutet viel mehr: Virtuelle und nicht-virtuelle Lehrmethoden werden in einem komplexen Konzept funktional aufeinander abgestimmt und in den Unterricht integriert. Dabei sollen die Stärken sich gegenseitig hervorheben und etwaige Nachteile so weit wie möglich  ausblenden. Beispielsweise soll die soziale Interaktion und Diskussion in den Präsenzveranstaltungen durch zeit- und raumflexible Selbststudiums-Phasen  zu Hause im eigenen Tempo der Studierenden erleichtert werden.

Klingt ja in der Theorie ganz super, aber wie sieht es damit in der Praxis, insbesondere an der SRH Hochschule Heidelberg, aus?

Blended Learning unter CORE

Für die Umsetzung des Blended Learning in unserem allseits geliebten CORE-Prinzip habe ich Sandra Neuner und Dr. Sinikka Gusset-Bährer von der SRH Akademie für Hochschullehre Heidelberg interviewt. Für alle, die nicht so genau wissen, was die Akademie für Hochschullehre so genau macht, hier eine kleine Kurzfassung: Das Team unterstützt Lehrende mit diversen Schulungsmaßnahmen und entwickeln neue Lehrmethoden – wie auch das Blended Learning.

Ein flächendeckender Einsatzdes Blended Learnings in allen Studiengängen ist bisher noch nicht erfolgt, jedoch integrieren bereits jetzt schon viele Lehrende den Einsatz digitaler Medien in ihren Unterricht. Inka von Gierke, Bachelor-Studentin im Studiengang Virtuelle Realitäten, Game Development, konnte mir hierzu ein passendes Beispiel geben. Ihr Dozent Christoph Hahn nutzt in seinem Kurs Verteilte Architektur und Webentwicklung sogenannte Version Control Systems, bei denen alle Teammitglieder*innen gleichzeitig auf die aktuelle  Version des Projektes bzw. Codes zugreifen konnten. So können alle parallel arbeiten und sind trotzdem immer auf dem neuesten Stand.

Zur Abgrenzung ist aber folgendes wichtig: Blended Learning ist immer ein didaktisches Konzept, bei dem Präsenz- und Online-Lerntechniken sich optimal ergänzen sollen und aufeinander abgestimmt sind. So ein Konzept hat die Akademie bereits eingereicht und erwartet Ende Dezember das Feedback der Studiendekankonferenz (SDK). Die SDK arbeitet u.a. unter den verantwortlichen Augen von Prorektor Prof. Dr. Markus Breuer Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Studium und Lehre aus.

„CORE setzt ganz bewusst darauf, die Vorteile des Präsenzlernens zu stärken. In einem nächsten Schritt muss es nun noch darum gehen, unter CORE auch die Vorteile des Online-Lernens zu nutzen“, berichtet Sandra Neuner. Die Ausgeglichenheit der Lehrmethoden sei auch hier wieder Schlüssel zum Erfolg, da „Methodenkompetenzen wie z.B. die Informationsbeschaffung und Quellenbewertung sich wunderbar online erwerben lassen, während Übungen zur Kritikfähigkeit besser über die direkte soziale Interaktion umgesetzt werden können“, so Neuner weiter. Dr. Sinikka Gusset-Bährer hebt im Gespräch auch die zunehmende Bedeutung von Medien nicht nur im Alltag, sondern auch im Berufsleben hervor. Dass die damit verbundenen Kompetenzen also frühestmöglich gefördert werden sollen, da kann ihr wohl nur jeder zustimmen.

Persönliche Erfahrungen der Studierenden & Dozenten

Googelt man den Begriff Blended Learning, so erhält man von der Fachwelt allgemein eher positive Berichte. Auch der bisherige Einsatz digitaler Medien an der SRH Hochschule Heidelberg vor dem Hintergrund dieses Konzeptes bekam überwiegend gute Rückmeldungen.

Sandra Neuner und Dr. Sinikka Gusset-Bährer versicherten mir außerdem, dass die jetzigen Online-Erfahrungen und diesbezügliche Rückmeldungen zwecks Corona mit in die Entwicklung des Konzeptes an der SRH Hochschule Heidelberg einfließen werden.  Sowohl den Lehrenden als auch den Studierenden fehlen oftmals der direkte Kontakt und die aktive Teilnahme im Online-Unterricht. Jan Niklas Jipping, Fachschaftsvorsitzender der Psychologie, beschreibt dies sehr anschaulich im Begriff der  „Sozialen-Pflicht-Kontakten“, die unseren gesamten Alltag geprägt haben – vor Corona mussten wir uns sozusagen treffen, sei es in Präsenzveranstaltungen oder auch nur auf dem Weg in der Bahn zur Hochschule. Dadurch war man weniger einsam, und all dies fehlt. „Diese Einschränkungen sind nicht alle komplett auf ein späteres Blended Learning-Modell übertragbar“, beruhigt mich Sandra Neuner im Interview. „Viele Probleme,  allen voran die soziale Interaktion, können in Veranstaltungen im Blended Learning-Format ausgebügelt werden.“ Denn Präsenz-Unterricht ist gezwungenermaßen ein essenzieller Bestandteil des Blended Learning Konzeptes.

Doch auch online müssen die soziale Interaktion und das Gemeinschaftsgefühl nicht fehlen. Dr. Sinikka Gusset-Bährer plädierte in dem Zusammenhang vor allem an die Studierenden selbst: „Das Online-Format funktioniert nicht mit der Einstellung `Studier‘ mich mal Professor´. Das Einschalten der Kamera, ein paar nette Begrüßungsworte oder aktives Mitarbeiten durch Fragen würden da schon viel bewirken.“ Außerdem werden in der Online-Seminarreihe „Digitools“ für die Lehrenden aktiv neue Möglichkeiten für eine interaktive Online-Veranstaltung zusammengestellt. Sandra Neuner führte dazu beispielsweise Abstimmungstools oder Gruppenarbeiten via Breakout-Sessions an, auf die die -Lehrenden zurückgreifen können.

Fazit – Blended Learning gut oder schlecht

Die Welt ist nun einmal nicht schwarz-weiß, und das betrifft auch das Blended Learning. Allerdings kann man es schon allgemein als sehr positiv und für Lehrende und Studierende als gewinnbringend betrachten, wenn es – Achtung – ausbalanciert ist.

Momentan ist unsere theoretische Sicht auf das Blended Learning durch die Corona-Krise ein wenig verzerrt, da der Online-Unterricht zum Nachteil der Präsenzveranstaltungen überwiegt. Uns fehlen soziale Berührungspunkte, unsere Freunde und die wundervollen Diskussionen, die so schön im CORE-Prinzip integriert waren. Aber lasst diese Erfahrungen nicht die Wahrnehmung des Blended Learning trüben, denn es ist eher zu erwarten, dass aus den  aktuellen Zeiten viel für die Entwicklung des Systems mitgenommen werden kann. Hoffentlich kann also aus dieser Krise viel für den kommenden Unterricht gelernt werden – und das gilt nicht nur für die SRH Hochschule Heidelberg, sondern für alle Hochschulen bundesweit.

Mehr zur Einbettung des Blended Learning-Konzeptes in CORE findet man auf unserer Homepage.