Status und Gehalt allein sorgen noch lange nicht für Zufriedenheit im Beruf – die Leidenschaft macht’s. Prof. Dr. Rudolf Irmscher, Geschäftsführer der Stadtwerke und Honorarprofessor an der SRH Hochschule Heidelberg, gibt wertvolle Tipps für die Berufsstarter.Der Karriereberater Heiko Mell erzählte einmal in der „Karriereberatung“ der VDI-Nachrichten von einem Forschungs- und Entwicklungsleiter, der sich auf eine hochdotierte, intern ausgeschriebene Vertriebsleiterstelle beworben hatte. Der Mann setzte alles daran, die Position zu bekommen. Er ließ sich coachen und nahm Schauspielunterricht, um das Vorstellungsgespräch zu bestehen. Mit Erfolg, er bekam die Stelle. Doch ein Jahr später hadert er mit seinem Schicksal. Nach außen erfolgreich, gut bezahlt, aber im Inneren tief unglücklich.

Status und gutes Geld, so zeigt der Fall, können eine unpassende Tätigkeit nicht kompensieren. Die Leidenschaft eines Forschers gilt den technischen Details. Er möchte Turbinen optimieren oder den Wirkungsgrad eines Holzheizkraftwerks verbessern. Er ist stolz darauf, zu zeigen, wie eine neu entwickelte Heizungspumpe funktioniert. Im Vertrieb jedoch interessiert sich kein Mensch für technische Raffinessen. Da kommt es allein darauf an, die Pumpe zu verkaufen. Ein leidenschaftlicher Forscher im Vertrieb – das passt nicht zusammen. Unzufriedenheit, Stress, Gereiztheit sind die Folgen.

Sicher, es ist nachvollziehbar und absolut legitim, sich um eine Stelle zu bewerben, von der man weiß, dass sie noch nicht der eigenen Bestimmung entspricht. Gerade als Berufsanfänger muss man ja irgendwo anfangen und Geld verdienen.

Schwierig wird es aber, wenn die Grundrichtung nicht stimmt. Das gilt nicht nur für die Tätigkeit, sondern auch für die Wahl der Branche. Wer bei einer kommunalen Verwaltung anfängt, dürfte kaum mehr zu Porsche oder Mercedes kommen. Nach einem Einstieg bei einem Automobilzulieferer ist es schwer, zu einem Anlagenbauer zu wechseln. Dieser befasst sich mit millionenschweren Projekten, jener mit kleinen Teilen wie Sitzen, Kabelbäumen, Lenkrädern oder Glasscheiben. Ein völlig anderes Geschäft.

Auch ob Sie sich bei einem regionalen Unternehmen oder bei einem internationalen Konzern bewerben, ist eine grundsätzliche Entscheidung, die sich später nur noch schwer revidieren lässt. Wer eine internationale Karriere machen möchte und von Einsätzen in China, Japan oder in den USA träumt, sollte nicht bei einem Unternehmen mit regionalem Fokus anfangen.

Es lohnt sich daher, den Einstieg systematisch anzugehen. Zunächst gilt es, sich über die eigene Persönlichkeit klar zu werden. Jeder von uns ist nun einmal so, wie er ist. Es macht wenig Sinn, sich zu „verbiegen“, um eine vielleicht attraktiv erscheinende Position zu bekommen. Ein introvertierter und detailverliebter Typ wird sich im Vertrieb niemals wohlfühlen, hingegen kann eine Position im Controlling oder in der Forschung genau das Richtige für ihn sein.

Die Empfehlung lautet daher: Werden Sie sich klar darüber, was für ein Typ Sie sind. Anregungen dazu gibt es in der nächsten Kolumne Anfang Dezember. Auf dieser Basis lässt sich im zweiten Schritt die Grundrichtung für die berufliche Entwicklung festlegen. Innerhalb dieses Korridors gilt es dann in der Folgezeit, die eigene Idealposition zu entdecken und sich ihr anzunähern