Weltweit bessere Bedingungen in der Textilbranche, eine Abkehr von Stereotypen, Nachhaltigkeit in der Produktion – dafür setzt sich Melina Bucher ein, Dozentin im Schwerpunkt Fashion Management des Bachelor-Studiengangs Betriebswirtschaftslehre. Ein kurzer Blick in ihren „Kleiderschrank“.

In ihrem Schrank hängen 30 Handtaschen: Melina Bucher liebt Design und lebt dafür. Doch sie lebt auch Nachhaltigkeit. Seit zehn Jahren Veganerin, hat sie festgestellt, dass es keine schönen Handtaschen ohne Leder gibt, keine veganen Alternativen. Auf ihrer verzweifelten Suche entschied sie sich: „Mach´s doch einfach selbst.“ Sie hängte also ihre Promotion erstmal an den Nagel, nachdem sie ihren Bachelor Betriebswirtschaft an der SRH Hochschule Heidelberg und ihren Master Management in Mannheim erfolgreich absolviert hatte. „Gründen ist ein sehr spannendes Thema und unbedingt ein Lebenskonzept für mich: Ich arbeite für mein eigenes Baby.“ So produziert sie unter ihrem Label heute nachhaltige Taschen und Sweater und definiert Luxus neu: Ethik, Nachhaltigkeit und Ästhetik werden eins. Und seitdem hat sie sich auch keine neue Handtasche mehr gekauft.

Nachhaltig leben

„Wir haben gesellschaftlich verdrängt, dass wir Tiere essen, sie sind für uns nur noch ein Produkt“, klagt die Gründerin und Dozentin, die selbst zwei „heilige“ Birma-Kätzchen hat, deren „Eigensinn und Kuschelbedürfnis“ sie liebt. „Auch in der Textilbranche sind wir weit weg von einer ökologisch und sozial nachhaltigen Produktion.“ Weniger konsumieren, langlebigere Produkte – das wünscht sie sich von den Konsument:innen. „Wenn die Stars ein Kleid zweimal auf dem roten Teppich tragen, kommt hoffentlich die Erkenntnis, dass das Styling den Unterschied macht.“

Vielfalt fördern

„Kleidung ist eine Ausdrucksform des Einzelnen, hier zeigt der Mensch sein Idealbild von sich“, definiert die Modeexpertin. Deshalb sei die Qualität besonders wichtig, symbolisiert dieser Ansatz doch auch die Vielfalt der Menschen. Auch ihre Mode fördert Vielfalt: Melina Bucher arbeitet in ihren Kampagnen mit den unterschiedlichsten Modells, geht weg von Stereotypen, zeigt lückenlos ihre Produktionskette auf und setzt sich für weltweit bessere Bedingungen in der Textilbranche ein.

Die Leidenschaft entdecken

Nun, als Dozentin zurück an der SRH Hochschule Heidelberg, will sie ihre Utopie auch in den Schwerpunkt Fashion Management & Sustainability einbringen. Sieben Betriebswirtschaftsstudierende entschieden sich aus zehn Schwerpunkten für dieses Thema und tauchen nun in die Welt der Mode ein. „Ich wünsche mir, dass die Studierenden früh lernen zu reflektieren, was sie im Leben erreichen wollen und was ihre Leidenschaft ist. Ich möchte Impulse setzen und zum Nachdenken und zur Selbstauseinandersetzung anregen.“

Zunächst einmal ist Melina Bucher jedoch in Mutterschutz, ihr Partner Dominik Davatolhagh übernimmt den Kurs. Die Begeisterung der Studierenden schmälert dies nicht: „Ich habe mich für die SRH Hochschule Heidelberg genau wegen dieses Schwerpunktes entschieden“, sagt zum Beispiel Lana. Ihr Kommilitone Semir wollte schon immer in die Fashion-Branche einsteigen: „Mein Ziel ist ein eigenes Modelabel.“ Aber auch aus Südamerika und Irland sind drei Studentinnen gekommen, um Fashion Management zu lernen: „We love fashion and want to know more about it.“