Das transdisziplinäre Forschungsprojekt Reallabor STADT-RAUM-BILDUNG beschäftigt sich mit innovativem Schulbau. In Praxisprojekten lassen die Studierenden der School of Engineering and Architecture ihre Ideen mit einfließen.

Lernen im digitalen Zeitalter, Ganztages- und Gemeinschaftsschule, innovative Lernräume oder Inklusion sind bekannte Schlagworte, die den Paradigmenwechsel an Schulen zum Ausdruck bringen. Welche L.sungsans.tze gibt es? Was bedeutet innovativer Schulbau? Welche Kriterien müssen erfüllt sein, um eine inspirierende Atmosphäre im Schulhaus zu erzeugen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Architekten und Erziehungswissenschaftler innerhalb des Forschungsprojekts Reallabor STADT-RAUM-BILDUNG, das an der School of Engineering and Architecture der SRH Hochschule Heidelberg angesiedelt ist.

„Es ist bekannt, dass eine gestalterisch ansprechende Schulbauarchitektur bessere Schulleistungen hervorbringen kann, ganz sicher aber eine angenehmere soziale Atmosphäre“, erklärt Prof. Dr. Marc Kirschbaum, der zusammen mit seinen Kollegen Prof. Andreas Bartels, Mandana Alimardani und Belen Zevallos das Projekt an der Hochschule betreut. „Räume wirken sich so stark auf das Lern- und Lehrklima aus, dass sie einen wichtigen Bestandteil eines guten Unterrichts darstellen. Unser Ziel ist es, dass diese Erkenntnisse frühzeitig im Planungsprozess berücksichtigt werden.“

Ein Grund, warum sich die Lernräume aktuell stark verändern, ist der Konzeptwandel in der Pädagogik: weg vom traditionellen Frontalunterricht oder „chalk and talk learning“ und dem „one size fits all“-Raum-Verständnis hin zu einem individuellen bzw. kollaborativen Lernen, das Freiräume und Rückzugsräume erfordert. Auch die körperliche Bewegung wird in der Gestaltung der Lehrräume immer stärker berücksichtigt. Das Ergebnis sind ansprechende Räume und Bewegungslandschaften für Schüler – kurz: innovative Lernräume.

Forschung und Lehre verknüpfen

Wie diese Lernräume in der Praxis konkret aussehen können, haben Studierende der School of Engineering and Architecture untersucht. In einem fünfwöchigen Projekt im Rahmen eines Moduls im dritten Jahr des Bachelor-Studienganges Architektur widmeten sie sich dem Thema Schulbau. Die durchaus anspruchsvolle Aufgabenstellung: ein hochbaulicher Entwurf einer Montessori-Grundschule auf dem SRH Campus.

In den Einzelarbeiten setzten sich die Studierenden mit der Art der Pädagogik, innovativen Lernraumkonzepten und architektonisch-gestalterischen Aspekten auseinander. „Mir war es wichtig, die Schule als identitätsstiftenden Ort zu begreifen und ein Raumkonzept mit hoher Aufenthaltsqualität zu entwickeln, an dem sich Kinder den ganzen Tag gerne aufhalten“, erklärt Maximilian Vogt, Architektur-Student. Offene, lichtdurchflutete Räume mit flexiblem Mobiliar und Rückzugsorten spielen in seiner Arbeit eine wichtige Rolle.

Die Studierenden präsentierten ihre Entwürfe in Form von Zeichnungen, Modellen und schriftlichen Erläuterungen. „Sie haben sich erfolgreich der ambitionierten Aufgabe gestellt, Lernräume und Lernumgebungen zu entwickeln, die ein besseres, erfolgreiches Lernen und Lehren von Schülern und Lehrern fördern“, lobte Mandana Alimardani, die als Zweitkorrektorin die Arbeiten der Studierenden beurteilte.

«Räume wirken sich so stark auf das Lern- und Lehrklima aus, dass sie einen wichtigen Bestandteil eines guten Unterrichts darstellen.»
– Prof. Dr. Marc Kirschbaum, Professor an der School of Engineering and Architecture –

Die Integration des Forschungsprojekts Reallabor STADT-RAUM-BILDUNG in die Lehre stellt eine Winwin-Situation dar: „Auf der einen Seite profitieren die Studierenden unmittelbar von unseren Forschungsergebnissen, auf der anderen geben die Studierenden neue Impulse für das Forschungsprojekt“, erklärt Kirschbaum.

„Es ist uns extrem wichtig, die Studierenden, in dieses wichtige Thema zu involvieren, denn sie sind die Architekten von morgen.“

 

DAS REALLABOR STADT-RAUM-BILDUNG

Der Begriff „Reallabor“ steht für ein innovatives Forschungsformat und ein neues Modell der Kooperation von Wissenschaft und Gesellschaft, das vom Land Baden-Württemberg seit 2015 gefördert wird. An dem transdisziplinären Verbundprojekt „Reallabor STADT-RAUMBILDUNG“ sind neben der SRH Hochschule Heidelberg, die federführend ist, auch die Universität Stuttgart und die PH Heidelberg beteiligt. Partizipative und digitale Methoden fließen ebenso mit ein wie die Erfahrung von internationalen Experten in der Schulentwicklung. Die erarbeiteten Ergebnisse sollen in praktische Handlungsempfehlungen für Kommunen und Schulen münden.

1. April 2017 Christiane Désiré
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